Cannabisanbau und EC-Wert: Was du wissen musst
Beim Cannabisanbau reden viele über Licht, Sorten und Dünger, aber der EC-Wert fällt oft hinten runter. Dabei entscheidet genau dieser Wert, wie konzentriert deine Nährlösung ist und wie viel Salz deine Wurzeln tatsächlich aushalten müssen. Zusammen mit dem pH-Wert bestimmt er, ob deine Pflanzen Nährstoffe wirklich aufnehmen oder ob du sie langsam überforderst. Wenn du verstehst, was der EC-Wert bedeutet und wie du ihn misst, hast du einen der wichtigsten Hebel in der Hand, um Mangel, Überdüngung und verbrannte Spitzen zu vermeiden.
Was bedeutet der EC-Wert beim Cannabisanbau überhaupt?
Wenn du Cannabis anbaust, kommst du früher oder später an zwei Zahlen nicht vorbei: pH-Wert und EC-Wert. Der pH-Wert entscheidet, ob Nährstoffe chemisch verfügbar sind. Der EC-Wert zeigt dir, wie stark deine Nährlösung tatsächlich ist. Beides zusammen bestimmt, ob deine Pflanzen entspannt wachsen oder still vor sich hin leiden.
EC steht für elektrische Leitfähigkeit. Gemessen wird meist in Millisiemens pro Zentimeter. Je mehr gelöste Salze und Nährstoffe in Wasser sind, desto besser leitet es Strom und desto höher ist der EC-Wert. Im Cannabisanbau entspricht ein höherer EC also einer konzentrierteren Nährlösung.
Statt nach Gefühl immer etwas mehr Dünger zu kippen, kannst du mit einem EC-Messgerät sehr genau sehen, was du deinen Pflanzen zumutest. Gerade bei hochwertigen Düngern, starkem Licht und begrenztem Wurzelraum macht das den Unterschied zwischen stabilen Pflanzen und verbrannten Spitzen.

Wie hängt der EC-Wert mit Wasser, Dünger und Substrat zusammen?
Der EC-Wert ist nie isoliert zu sehen. Er setzt sich aus mehreren Teilen zusammen.
Zuerst ist da dein Ausgangswasser. Leitungswasser kann sehr weich sein mit einem EC deutlich unter 0,3 oder ziemlich hart mit über 0,8 Millisiemens. Weiches Wasser enthält wenig eigene Salze, hartes Wasser bringt viel Kalzium, Magnesium und oft auch Natrium oder andere Stoffe mit.
Dann kommen die Nährstoffe dazu, meist in Form eines Flüssigdüngers. Jede Düngergabe erhöht den EC-Wert der Mischung. Aus sehr weichem Wasser und wenig Dünger wird schnell eine moderate Nährlösung. Aus hartem Wasser und derselben Düngermenge wird eine zu starke Suppe. Ohne Messung merkst du das oft erst, wenn die Blätter reagieren.
Das Substrat spielt ebenfalls mit. Erde wirkt wie ein Puffer. Organische Bestandteile, Tonminerale und Mikroorganismen fangen Schwankungen ab. In Kokos oder Hydrokultur reagieren die Wurzeln direkter auf Änderungen des EC-Werts, weil kaum Puffer vorhanden ist. Daher sind dort saubere EC-Werte wichtiger als in einem organisch geführten Erdengrow.
Welche EC-Bereiche sind beim Cannabisanbau sinnvoll?
Es gibt keine eine Zahl, die immer passt. Die Pflanzen haben in verschiedenen Phasen einen unterschiedlichen Bedarf. Die folgenden Bereiche sind grobe Richtwerte und eher als Rahmen zu verstehen, nicht als starre Regel.
In Erde oder Erde/Kokos Mischungen:
- Jungpflanzen und Stecklinge: etwa 0,6 bis 0,9
- frühes Wachstum: etwa 0,8 bis 1,2
- spätes Wachstum und frühe Blüte: etwa 1,2 bis 1,6
- starke Blütephase bei hungrigen Sorten: bis etwa 1,8
In Kokos oder einfachen Hydro Systemen:
- Jungpflanzen: etwa 0,5 bis 0,8
- Wachstum: etwa 0,8 bis 1,3
- Blüte: etwa 1,3 bis 1,8, in intensiven Systemen auch höher
Wichtig ist weniger die exakte Zahl als die Tendenz. Du startest niedrig und steigerst langsam. Die Pflanze zeigt dir, ob sie mehr verkraftet oder ob du bereits an der Grenze bist. Leichte Aufhellungen im unteren Bereich der Pflanze können auf leichten Mangel hindeuten. Dunkelgrüne, harte Blätter und verbrannte Spitzen zeigen eher zu hohe Werte.

Wie misst du den EC-Wert?
In der Praxis gibt es zwei sinnvolle Messpunkte. Einmal direkt in der Gieß oder Nährlösung und einmal im Abflusswasser, das aus dem Topf wieder herausläuft.
Vor dem Gießen tauchst du das EC-Messgerät in deine fertig gemischte Nährlösung. So weißt du, mit welcher Stärke du heute gießt. Wenn du mit Leitungswasser arbeitest, lohnt es sich auch, das reine Wasser ohne Dünger einmal zu messen. Dann kennst du deinen Startwert.
Nach dem Gießen kannst du das Wasser messen, das aus dem Topf unten abläuft. Das zeigt dir, was im Substrat los ist. Liegt der EC im Drain deutlich über der frisch angerührten Nährlösung, haben sich im Substrat bereits viele Salze angesammelt. Dann bist du eher am oberen Limit und solltest vorsichtig sein.
In Hydrosystemen oder bei Kokos mit Bewässerung über Tank lohnt ein dauerhaftes Messgerät im Reservoir. Dort siehst du in Echtzeit, wie sich der EC-Wert mit der Zeit verändert, wenn Wasser verdunstet und Pflanzen Nährstoffe aufnehmen.
Woran erkennst du, dass der EC-Wert nicht passt?
Pflanzen reagieren auf zu niedrige oder zu hohe EC-Werte ziemlich deutlich. Du musst nur lernen, die Zeichen zu lesen.
Wenn der EC-Wert zu niedrig ist, haben die Pflanzen zu wenig Nährstoffe. Typische Anzeichen sind:
- langsames Wachstum
- blasseres Grün, insbesondere an älteren Blättern
- weiche, dünne Blätter
- schwach ausgebildete Triebe
Wenn der EC-Wert zu hoch ist, hast du eine Überdüngung oder Salzansammlung. Das kann man an folgenden Punkten erkennen:
- Blattspitzen werden braun und trocken
- Blätter kräuseln sich nach unten und wirken hart
- die Pflanze wirkt trotz voller Nährlösung gestresst
- das Substrat trocknet ungleichmäßig, die Wurzeln arbeiten schlechter
EC und pH beeinflussen sich gegenseitig. Viele Symptome von Überdüngung und pH Problemen sehen sich ähnlich. Deswegen ist ein Messgerät so hilfreich. Du bekommst eine Zahl und musst nicht raten.
Wie senkst du einen zu hohen EC-Wert im Substrat wieder ab?
Zu hoher EC ist für Pflanzen belastender als ein leichter Mangel. Deshalb solltest du bei Verdacht lieber früh eingreifen.
Ein einfacher Weg ist das Ausspülen mit Wasser mit geringem EC. In Erde bedeutet das, du gibst der Pflanze eine großzügige Menge Wasser ohne zusätzlichen Dünger, lässt das Wasser aus dem Topf laufen und misst den EC im Drain. Ziel ist, dass der Wert sich deutlich dem EC deines Gießwassers annähert.
In Kokos oder Hydrokultur kannst du die Nährlösung im Tank teilweise oder komplett austauschen und mit einer schwächeren Mischung neu starten. Gerade in kleinen Systemen steigt der EC im Verlauf, weil Wasser verdunstet und Salze zurückbleiben. Regelmäßige Teilwasserwechsel sind hier Pflicht.
Wichtig ist, die Pflanze nach so einer Korrektur nicht sofort wieder mit hoher Düngerkonzentration zu überfordern. Gib ihr ein paar Tage, um sich zu erholen.

Wie erhöhst du einen zu niedrigen EC-Wert?
Ein zu niedriger EC ist meist weniger dramatisch, liefert aber nicht das volle Potenzial der Sorte. Wenn du merkst, dass deine Pflanzen trotz gesunder Wurzelzone eher blass und langsam bleiben, kannst du die Düngerkonzentration schrittweise erhöhen.
In der Praxis heißt das:
- Nährlösung wie gewohnt ansetzen
- EC messen
- geringe Menge Dünger nachgeben, erneut messen
- so lange vorsichtig steigern, bis du im gewünschten Bereich liegst
Lohnen sich kleine Schritte. Es bringt nichts, von 0,9 auf 2,0 zu springen, nur weil auf der Flasche ein hoher Wert steht. Besser sind kleine Anpassungen von zum Beispiel 0,2 Millisiemens und dann einige Gießzyklen beobachten.
Warum gehört der pH-Wert immer mit zum Thema EC?
EC und pH gehören zusammen wie Gas und Kupplung. Der EC-Wert zeigt, wie viel im Wasser ist, der pH-Wert entscheidet, ob die Pflanze das überhaupt nutzen kann.
Bei einem falschen pH-Wert können bestimmte Nährstoffe chemisch gebunden werden und stehen den Wurzeln nicht mehr zur Verfügung. Du kannst also einen perfekten EC-Wert haben und trotzdem Mangelsymptome sehen, wenn der pH danebenliegt.
Im Cannabisanbau haben sich grob folgende pH-Bereiche etabliert:
- in Erde etwa 6,0 bis 7,0
- in Kokos und Hydro etwa 5,5 bis 6,2
Wenn du also zum Beispiel viel Phosphor und Kalzium gibst, der pH aber zu hoch oder zu niedrig ist, zeigt dir die Pflanze trotzdem Mangelsymptome. In so einer Situation wäre es falsch, nur den EC weiter zu erhöhen. Besser ist, pH und EC zusammen zu messen und beide Werte in einen sinnvollen Bereich zu bringen.
Wie relevant ist die Wasserqualität beim EC-Wert wirklich?
Viele Probleme im Grow beginnen beim Leitungswasser. Wenn dein Wasser bereits mit einem hohen EC aus dem Hahn kommt, kannst du nicht einfach die gleichen Düngermengen verwenden wie jemand mit sehr weichem Wasser.
Sehr weiches Wasser hat einen niedrigen EC und kaum gelöste Mineralien. Das erlaubt dir, den Nährstoffmix genau zu steuern, verlangt aber oft einen Zusatz von Kalzium und Magnesium. Sehr hartes Wasser bringt zwar Kalzium und Magnesium mit, dafür auch Stoffe, die du nicht brauchst, etwa Natrium. Hier kann es sinnvoll sein, einen Teil des Wassers über eine Umkehrosmose zu filtern und das Filtrat mit hartem Wasser zu mischen, bis du bei einem moderaten Ausgangs EC landest.
Praktisch wirkt sich das so aus, dass du erst dein Wasser misst, dann deinen Dünger so dosierst, dass die Summe passt. Anstatt blind nach Dosisangabe auf der Flasche zu gehen, orientierst du dich an deinem Startwert und der gewünschten Zielkonzentration.

Brauchen Hobbygrower wirklich ein EC-Messgerät?
Für den allerersten Grow in einfacher Erde mit moderatem Dünger und Leitungswasser kann man auch ohne EC-Gerät durchkommen. Sobald du aber mehr aus deinen Pflanzen herausholen willst oder mit Kokos, stärkeren Lampen und präziserer Düngung arbeitest, wird ein EC-Messgerät sehr sinnvoll.
Ohne Messung bleibst du beim Rätselraten. Symptome können Überdüngung oder Mangel sein. Mit einem einfachen Gerät siehst du, ob du eher zu viel oder zu wenig gibst. Die Investition ist im Verhältnis zu Lampen, Abluft und Dünger gering, der Nutzen dagegen hoch.
Wichtig ist eine halbwegs sorgfältige Handhabung. Messgeräte müssen regelmäßig kalibriert werden, die Sonde sollte sauber bleiben und nicht dauerhaft in verdreckten Lösungen hängen. Dann liefern sie zuverlässige Werte über mehrere Runs.
Wie kannst du den EC-Wert pragmatisch in deinen Alltag einbauen?
Die Theorie ist das eine, der Alltag im Anbauraum das andere. Ein sinnvoller und unkomplizierter Ablauf kann zum Beispiel so aussehen.
Du misst einmal dein reines Wasser und notierst dir den EC-Wert. Dann mischst du deine Nährlösung für die aktuelle Phase, misst erneut und schaust, in welchem Bereich du gelandet bist. Wenn der Wert deutlich außerhalb des empfohlenen Rahmens liegt, passt du die Düngermenge an.
Alle paar Gießzyklen misst du mit etwas Drainwasser aus einem Topf. Wenn der EC im Drain deutlich höher ist als in deiner frischen Lösung, weißt du, dass sich Salze im Substrat sammeln. Dann kannst du mit einer etwas schwächeren Lösung oder einem durchdachten Spülgang gegensteuern.
Zusammen mit einem pH-Messgerät hast du damit ein sehr klares Bild davon, was im Wurzelraum passiert. Du verlässt die Phase des groben Schätzens und kannst deine Pflanzen gezielt unterstützen. Am Ende zahlst du das mit stabilerem Wachstum, weniger Stress und besserer Ernte zurück.